Wenn ihr unsere Berichte aufmerksam gelesen habt, wisst ihr ja schon, dass wir hier einen Job gefunden haben. Also haben wir jetzt erstmal ein festes Zuhause. Also die Stadt wissen wir :) Müssen noch genau checken, wo wir immer schlafen, denn das Campen in den Caravan Parks wird uns auf lange Sicht zu teuer. Es ist aber auch zu gefährlich, in irgendeiner Straße zu nächtigen, da hier viele Aboriginies mit Alkoholproblemen umherlaufen. Zu den Aboriginies erzählen wir euch gleich mehr.

Heute war unser erster Tag als Housekeeping-Ottos.
Pünktlich um fünf vor neun standen wir an der Rezeption des Airport Motel in der Gap Street. Die beiden Manager hatten wir ja schon bei der fünf Minuten dauernden Abgabe der Lebensläufe, Vorstellungsgespräch und Ok-ihr-habt-den-Job Besprechung kennen gelernt. Uns wurde die Cleaning-Chefin vorgestellt und das Motel gezeigt. Wir dürfen die ganze Zeit zusammen arbeiten! In den einzelnen Zimmern machen wir so Dinge wie Handtücher wechseln, Betten machen, Badezimmer putzen, den Boden moppen und Tee und Kaffee nachfüllen, immer ein Zimmer zu zweit. So können wir dabei sogar reden und die Zeit geht schnell vorbei. Also das, was ich gerade geschrieben habe, gilt für die normalen Räume. Es gibt aber auch noch die Räume, die für alle Verhältnisse, die wir und ihr und jeder den wir kennen jemals kennen gelernt haben, nicht normal sind. Die Zimmer der Aboriginies.
Falls ihr erfahren wollt, was wir bisher über die Aboriginies gelernt haben, lest weiter. Bei nicht so großem Interesse einfach das kursiv gedruckte überspringen.
Hier müssen wir betonen, dass wir, bevor wir nach Australien flogen, neugierig auf die Kulturen und Lebensweisen der Aboriginies waren. Wir hatten von vielen gehört, dass viele von ihnen sehr viel Alkohol konsumieren, sich nicht anpassen können und zum Teil gefährlich sind (wenn sie Geld für Alkohol brauchen). Von diesen Meinungen wollten wir uns aber nicht beeinflussen lassen, sondern unsere eigenen Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Also haben wir sie ohne Vorurteile betrachtet. Uns fiel im Laufe der Reise auf, dass die Aboriginies sich sehr von den restlichen Australiern unterscheiden. In den Städten sahen wir sie meist nur auf dem Boden sitzen und um Geld betteln. Wenn uns welche auf den Straßen begegnet sind, waren sie meist barfuß, was uns ja nicht stört, und rochen fast ausnahmslos nach Körperflüssigkeiten und Alkohol. Mit vielen Australiern, die wir unterwegs getroffen haben, haben wir gesprochen und sie gefragt, was sie von den Aboriginies halten. Uns wurde gesagt, das Thema Aboriginies sei ein sehr heikles. Die meisten Ureinwohner Australiens sind nicht fähig oder weigern sich, sich der Mehrheit der Bürger anzupassen. Ihre Lebensweise ist vollkommen anders. Es gibt immer noch sehr traditionelle Aboriginies, die zu hundert Prozent in der Natur leben, genauso wie ihre Vorfahren. Von diesen bekommen wir eigentlich nichts mit. Die meisten allerdings leben in Städten. Sie haben sich von der Natur entfernt und mit ihren Vorfahren wenig zu tun, gleichzeitig aber haben sie sich dem Stadtleben nicht angepasst. Sie stehen also (wie Törleß) zwischen zwei Welten, ohne wirklich in eine hineinzugehören.
Da die aus Europa kommenden Einwanderer vor vielen hundert Jahren den Aboriginies ihr Land sozusagen weggenommen haben, bekommen die Aboriginies heute noch Sozialhilfe als Entschädigung. Die Regierung will ihren Kindern eine schulische Ausbildung sichern, damit sie sich irgendwann integrieren können. Dies ist nicht möglich, wenn sie von ihren Familien erzogen werden. Ihre sozialen Fertigkeiten stimmen nicht mit unseren überein, häufig kommt es beispielsweise zu Sex zwischen den Familienmitgliedern. Außerdem ist ihr Hygienebewusstsein nicht sehr ausgeprägt.
Wir sind uns sicher, es gibt auch andere Fälle. Für das was wir bisher aber gesehen haben, sind wir von den Aboriginies enttäuscht. Und für das, was wir heute in den Motelzimmern gesehen haben, ist alles oben beschriebene harmlos.
Jetzt zurück zu unserem ersten Arbeitstag und dem Erlebnis mit den berüchtigten Motelzimmern.
Wir wurden schon vorsichtig vorgewarnt. Zum Beispiel wurde uns gesagt, wir sollten fünf riesige Müllsäcke und genug Toilettenpapier mitbringen und uns Handschuhe anziehen. Trotzdem konnten wir nicht glauben, was wir sahen. Man kann es wirklich nicht beschreiben. Wir waren sprachlos und geschockt. Ihr könnt es euch wirklich nicht vorstellen. In vier nebeneinanderliegenden Zimmern wohnen seit einem Jahr ca. 20 Aboriginies. Die Räume kann man schon nicht mehr als Hotelzimmer bezeichnen. Die Matratzen lagen auf dem Boden, alles war voll mit Müll, Dreck und Kakerlaken. Wirklich überall lagen Essen, Farbe, Kautabak und Haare. Die Zimmer werden jeden Tag geputzt und für uns ist es unvorstellbar wie man innerhalb eines Tages den Raum so verwüsten kann. Alles ist voll mit Müll, außer den Mülleimern (kein Witz). Jedes Messi-Bild, was ihr bisher im Fernsehen gesehen habt, ist nichts dagegen. Dazu kam der Geruch. Es roch nicht nach Schlaf oder Schweiß oder Toilette, es roch, so Leid es uns tut dies zu sagen, wie im Affenkäfig. Es roch nicht so, als würden Menschen diese Zimmer bewohnen. Diese Menschen saßen während unseres Säuberungsversuches auf den Betten und auf dem Boden, haben (auf dem Boden) Brot gebacken, gemalt, gegessen, Fernsehen geguckt, hatten die Heizung voll aufgedreht und die Tür auf. Die Miete für das Motel können sie sich locker pünktlich leisten: drei von den dort lebenden Frauen sind berühmte Künstlerinnen. Wir haben auch ein paar Gemälde gesehen, die auf den Betten und auf dem Boden herumlagen und konnten uns nicht vorstellen, dass diese Schönheit und Ordnung von den gleichen Personen kommt, die die Zimmer so verunstalten. Zum Glück wissen die Manager von dem Sauberkeitsproblem (wir verstehen gar nicht, warum sie die da wohnen lassen) und wir müssen nur schnell durchfegen und die Flächen wischen. Alle Aboriginies Zimmer arbeiten wir in 20 Minuten ab. Wir sehen dieses Erlebnis jetzt einfach als neue Erfahrung an und freuen uns, normalerweise die anderen Zimmer herrichten zu dürfen.
Nach viereinhalb Stunden war unser erster Arbeitstag vorbei, was uns nach einem Job für den Abend Ausschau halten lässt. Wir versuchen jetzt, noch einen Job zu finden, so viel zu arbeiten, wie nur möglich um dann wieder eine Weile zu reisen.
Wir haben auch heute unseren Buspass für Neuseeland besorgt. Und gestern einen weiteren Teilnehmer in unser Neuseeland-Entdeckungs-Team aufgenommen: Herzlich Willkommen, Tom Maiwald! Hier ist unsere Route:

Jetzt gehen wir glücklich und zufrieden ins Bett, aber denkt dran: Wenn ihr unsere Didgeridoo kaufen wollt, meldet euch. Nur $199! Also wir haben den Preis extra ein bisschen höher angesetzt, damit wir noch was runter gehen können. Eigentlich würden uns $150 auch reichen. Auf diesen Preis wurde das wunderschöne Stück von einem Experten geschätzt. Ihr seht also, dass es auch sehr schöne Dinge in der Kulur der Aboriginies gibt.
Hallo ihr Zwei!
AntwortenLöschenEuer Reisetagebuch ist einfach klasse und ich habe mich gleich einmal als regelmäßiger Leser eingetragen. ;-)
Freue mich schon auf neue Berichte und Fotos.
Schöne Grüße
Christina
Hm.. als wir im EnglischUnterrich was über die Aboriginies gelernt haben, taten sie mir iwie leid, weil die Regierung ihnen ja angeblich die Kinder wegnimmt und diese in wohlhabende Familien steckt, um die Traditionen der Aboriginies "auszurotten" :(. Und jetzt bin ich verwirrt! Auf jeden fall ekelig :( Naja wenigstens hab ihr einen Job :)! Juhu :D
AntwortenLöschenfriendship :)
KriniBini :)