Sonntag, 5. Dezember 2010

Roadtrip

Hallo :)
Genau wie der letzte Eintrag ist dieser für uns als Zusammenfassung entstanden! Falls ihr Lust habt zu lesen - viel Spaß! Es geht ums Auto!

Road Trip Zusammenfassung

Zwei längere Roadtrips haben wir nun hinter uns, Zeit für eine Bilanz. Das wichtigste, was wir sagen können ist: Mit Auto ist das Leben als Backpacker einfacher, bequemer und billiger. Wir sind so stolz auf unser erstes eigenes Auto, haben es lieb gewonnen und sind traurig, es bald wieder verkaufen zu müssen. Seit wir es uns in Darwin gekauft haben, mussten wir nur für $40 das Schloss am Kofferraum austauschen, ansonsten gab es kein einziges Problem mit unserem süßen Nissan Nomad aus dem Jahre 1990. Wir schlafen jede Nacht darin, wenn es möglich ist an einer kostenlosen Rest Area am Straßenrand, wo es meistens Toiletten, manchmal sogar auch Duschen gibt. In den Städten gibt es meistens keine Rest Area, da schlafen wir dann auf den etwas komfortableren Campingplätzen. Vom Preisunterschied hängt es ab, ob wir mit oder ohne Strom nehmen. Wenn wir lange fahren und auf den Rest Areas schlafen, wo wir keinen Strom haben, laden wir unsere elektronischen Geräte beim Fahren mit unserem Konverter an der Autobatterie auf.

Das Fahren auf den australischen Straßen unterscheidet sich etwas von dem zu Hause. Hier fährt man auf der linken Straßenseite, was besonders beim Abbiegen oder als Fußgänger über die Straße gehen am Anfang eine große Umstellung war. Wir haben uns aber recht schnell daran gewöhnt und werden uns, sobald wir wieder zu Hause sind, erst einmal wieder umgewöhnen müssen. Außerdem sind die Entfernungen zwischen den kleinsten Orten manchmal riesig. Wir haben ja die fast 2.000km lange Strecke von Darwin zum Ayers Rock und die fast 3.000km lange Strecke vom Ayers Rock nach Cairns zurückgelegt. Insgesamt sind wir von Anfang August bis Ende November über 10.000km gefahren. Die Stecken von Darwin über den Ayers Rock nach Cairns führten ja durch das Landesinnere, welches zum allergrößten Teil aus Wüste besteht. Es gibt schon Bäume und ab und zu auch Wiese, trotzdem wird alles Outback genannt. Dort fährt man dann manchmal stundenlang geradeaus. Einmal haben wir von Weitem einen besonders großen Baum am Straßenrand gesehen, auf den Kilometeranzeiger geguckt und waren genau nach 10km bei dem Baum angekommen, so flach und gerade war die Straße. Das war echt unglaublich, aber Chloé, Michael und ich haben alle drei die ganze Zeit auf den Baum gestarrt, sodass wir uns sicher waren, den gleichen Baum zu sehen, wie aus 10km Entfernung.

Im Auto war es meistens richtig heiß, weil die Sonne nur so auf unser Auto brannte. Wir haben ja keine Klimaanlage und haben trotz offenen Fensters sehr geschwitzt. War manchmal wirklich fast nicht mehr schön. Dafür ist unser Auto elektronisch echt gut ausgestattet. Wir haben nicht nur das Ding, womit wir im Zigarettenanzünder unsere Handys laden können, sondern auch ein Verbindungskabel vom Ipod zum Radio, sodass wir uns die Fahrt mit Musik versüßen können. Das Pocahontas Hörspiel, was Maren uns netterweise vor Abfahrt auf den Ipod gespielt hatte, können wir mittlerweile fast auswendig.

Die Dörfer, an denen man alle 200 oder 300km mal vorbei kommt, bestehen manchmal nur aus einer Tankstelle mit einer einzigen Zapfsäule, an der der Sprit dann natürlich sehr teuer ist. Im Northern Territory und in Western Australia sind die Preise sowieso viel höher als woanders in Australien. Ab und zu gibt es kleine General Stores in diesen Dörfern, manchmal auch ein Motel. Diese Orte sind auf jeden Fall so abgeschieden vom Rest der Welt, dass wir uns nicht vorstellen könnten, auch nur eine Woche oder so da zu bleiben. Dafür verdient man, wenn man in einem Roadhouse im Outback arbeitet, wirklich richtig gut.

Am Straßenrand liegen leider viele tote Kängurus in allen Größen. Manche davon sind richtig zerfleischt, bei manchen würde man aber auch nur denken sie schlafen. Zum Glück hat unser Superauto Bullbars vorne angebracht, sodass wir bei einer Kollision ohne Schaden davongekommen wären. Trotzdem sind wir nie schneller als 100km/h gefahren, damit wir ein bisschen bremsen können, wenn wir 1km vor uns ein Tier am Straßenrand erspähen. Außerdem müssen wir als umweltbewusste Backpacker natürlich auch auf den Benzinverbrauch achten.
Alle paar Minuten kam uns ein Fahrzeug entgegen, meistens ein Roadtrain. Hätte unser Auto also mal den Geist aufgegeben, hätte es nicht lange gedauert und wir hätten Hilfe bekommen. Obwohl wir selbst nicht angehalten haben, wenn Leute am Straßenrand gewunken haben.
Roadtrains sind Lastwagen mit sehr vielen Anhängern, die einfach alles aus dem Weg räumen würden, was ihnen vors Auto läuft. So haben wir es leider auch einmal bei einem Känguru miterlebt: Wir fuhren hinter einem Roadtrain und haben auf eine günstige Gelegenheit gewartet, das 53m lange Fahrzeug zu überholen. Ein paar hundert Meter vor uns sahen wir ein kleines, süßes Kängi auf die Straße hüpfen. Wir haben einfach nur gehofft, dass es es noch vor dem Roadtrain schafft, leider war es zu langsam. Ein paar Sekunden später kam unter dem Roadtrain eine blutige Fleischmasse zum Vorschein, was dann wohl das Känguru war. Man konnte es nicht wieder erkennen :( Besonders gefährlich ist die Känguru-auf-die-Straße-spring-Situation wenn es dunkel ist. Deshalb wird jedem abgeraten, nachts durchs Outback zu fahren. Ein einziges Mal mussten wir ca. 50km im Dunklen zurücklegen und sind die ganze Zeit 50km/h gefahren. Nachts zu Fahren ist wirklich nicht ungefährlich. Verlockend ist es, weil dann die Sonne nicht so auf das Auto knallt, jedoch haben wir schnell gelernt, dass wir um 20 oder 21 Uhr ins Bett und um 5 oder 6 Uhr weiter fahren müssen, um den Tag optimal zu nutzen. Es gibt sowieso nichts zu tun, wenn es dunkel ist und man nur sein Auto hat.

Eine weitere nennenswerte Sache, die uns beim Fahren aufgefallen ist ist, dass manchmal neben uns der Wald brennt. Am Anfang haben wir Polizisten gefragt, ob es sicher sei, daran vorbei zu fahren, doch die haben nur gelacht und uns erklärt, dass hier viele absichtliche Feuer gelegt werden, damit echte Feuer dann keine Nahrung mehr finden, sich unkontrolliert auszubreiten. So brannten oft neben uns die Bäume, andere waren schwarz, weil sie vorher gebrannt hatten. Ist anscheinend normal. Es gibt aber am Straßenrand auch Sträucher, die aufgrund ihrer grauen Farbe wie Rauch aussehen. So haben wir oft nach dem Feuer Ausschau gehalten, welches gar nicht vorhanden war.

Wir sehen die Roadtrips als weiteres Abenteuer in unserem Australienaufenthalt an, woran wir uns gerne erinnern werden. Es muss aber auch gesagt werden, dass man mit Auto ziemlich von den anderen Backpackern abgeschnitten ist. Wir haben viele Backpacker bei der Arbeit kennengelernt und bei den verschiedenen Touristenattraktionen kommt man natürlich oft mit welchen ins Gespräch, aber als wir das erste Mal an einer organisierten Tour mit anderen Backpackern teilgenommen haben, haben wir gemerkt, dass die Leute, die immer im Hostel wohnen oder mit dem Greyhound reisen, doch deutlich mehr Bekanntschaften schließen. Allerdings hat man mit einem Auto aber auch den Vorteil, dass man privater ist und nicht rund um die Uhr unter Backpackern ist. Wenn man will, hat man immer noch die Möglichkeit andere Leute mitzunehmen, sich die Spritkosten zu teilen und neue Kontakte knüpfen.Tagsüber und nachts mit 6-12 anderen Backpackern im Zimmer, wo immer jemand sehr spät ins Bett gehen und jemand sehr früh aufstehen will. Außerdem fährt der Greyhound nur Touristenzielorte an und muss 24 Stunden vor Abfahrt gebucht werden. Mit Auto ist es einfach viel flexibler. Man kann sich die Fahrt so einteilen, wie man will und ist unabhängiger. Noch dazu hat man im Auto sehr viel Stauraum, muss seinen schweren Rucksack nicht immer 100% optimal gepackt haben und überall mit hinschleppen. Mit Auto kann man mehr Vorratseinkäufe machen und insgesamt ist es einfach sehr praktisch.

Es gibt natürlich Vor- und Nachteile, allerdings sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass sich der Kauf eines Autos in Australien sehr lohnt, auch wenn es selbstverständlich immer ein Risiko ist, weil immer mal was kaputt gehen kann. Z.B. könnte das Auto mitten in der Wüste zusammenbrechen. Aber dafür hatten wir ja auch extra eine Versicherung abgeschlossen und uns bei einer Art ADAC angemeldet. Falls dennoch alles gut gehen sollte und man das Auto wieder zu einem guten Preis verkaufen sollte, hat man eigentlich nur für Benzin und Versicherung gezahlt und ist viel günstiger als Backpacker ohne Auto weggekommen. Ein Auto zu mieten sollte man nur in Betracht ziehen, wenn man nur wenige Wochen in Australien bleiben will, weil ein Camper in 6 Wochen schon $3000 kostet und man bei dem Falle eines Unfalls sogar eine Selbstbeteiligung zahlen muss.

Es hängt aber immer von der Person ab, wenn man zum Beispiel alleine reist, wäre es mir (Sara) nicht geheuer, auf den Rest Areas zu übernachten. Außerdem kann man, wenn man müde ist, alleine nie Fahrerwechsel machen und bei Problemen steht man auch alleine da. Wenn man der Typ dafür ist, ist es für viele Leute ja auch überhaupt kein Problem mit Backpackern auf einem Haufen zu leben und im Greyhound zu reisen. So sollte sich einfach jeder vorher informieren, was in welcher Situation auf einen zu kommen wird, und entscheiden, welcher Weg für einen persönlich am Besten ist.

Hihi :) Das Ende klingt ja wie ein Ratgeber!

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